Angst vor der Angst - und warum sie manchmal auch etwas Gutes hat
30.11.2025Demut war in den letzten Wochen definitiv viel da und ist in Momenten auch noch präsent. Ich habe sie erkundet und ich konnte Demut tief in mir spüren. In den letzten Wochen begleitet mich aber auch ein Gefühl, das ich am liebsten weit von mir wegschieben würde: Angst.
Angst, dass mein Körper vielleicht ernsthaft beeinträchtigt ist.
Angst. dass das zur Folge hat, dass ich mein Leben nicht mehr so führen kann, wie ich es gewohnt bin, wie ich es liebe.
Angst, dass mir dadurch Freude verloren geht.
Angst, dass mein Körper anders aussehen wird.
Angst, dass mein Körper und ich mit meinem Körper nicht mehr das tun kann, was ich mal konnte.
Angst, dass ich meine Identität verliere.
Angst, dass ich meine Kurse nicht mehr geben kann.
Angst, dass ich in finanzielle Sorgen gerate.
Angst, dass ich in einer Angstspirale feststecken könnte.
Ich weiß, dass das teilweise sehr dramatisch klingt, aber vielleicht kennst du das, wenn die Angst da ist, dann fällt es nicht mehr so leicht rational zu denken. Auch wenn vielleicht die Folgen nicht eintreffen, die Angst ist da und zeigt sich im Körper.
Was ich daran besonders herausfordernd finde:
Oft ist es gar nicht die Angst selbst, die so schwer wiegt - sondern der Widerstand dagegen. Die Angst vor der Angst. Der Wunsch, sie wegzudrücken, schnell wieder “funktionieren” zu wollen, nicht verletzlich wirken zu wollen.
Doch ich merke zunehmend: Angst ist nicht nur Feind. Sie ist auch Botschafterin.
Denn hinter jeder Angst steckt ein Bedürfnis:
Schutz. Sicherheit. Bindung. Gesundheit.
Nichts davon ist falsch. Im Gegenteil - diese Bedürfnisse zeigen mir, worauf ich achten darf.
Sie zeigen mir, was mir wichtig ist.
Wenn ich mir erlaube, die Angst da sein zu lassen, ohne sie wegzuschieben, entsteht etwas Unerwartetes:
Ein Moment von Präsenz. Eine Klarheit darüber, was mir wichtig ist. Eine Rückkehr in den aktuellen Augenblick.
Das können die positiven Qualitäten der Angst, über die wir so selten sprechen:
Sie hält uns wach.
Sie holt uns ins Jetzt. (natürlich auch das Gegenteil, weil wir oft Angst vor Dingen haben, die in der Zukunft passieren oder eintreffen könnten)
Sie macht Bedürfnisse sichtbar, die sonst übergangen werden.
Vielleicht verliert Angst ihre Macht genau dann, wenn ich sie nicht mehr als Gegner behandle, sondern als Signal.
Die Angst ist sozusagen ein Alarm, der uns auf etwas aufmerksam machen möchte. Ihn einfach wegzudrücken, hilft nicht, denn das Feuer dahinter brennt weiter.
Aber was wäre, wenn wir diesen Alarm nutzen würden, um hinzuspüren, wo es in uns gerade brennt und warum?
Wo wir uns etwas wünschen, das im Moment fehlt?
Oder wo etwas da ist, das wir eigentlich nicht brauchen?
Wenn wir den Alarm bewusst wahrnehmen, bekommen wir Einblicke in unser Inneres und sehen vielleicht zum ersten Mal die tatsächliche Ursache. Vielleicht können wir daran im Moment noch nichts ändern - aber allein zu wissen, woher der Alarm kommt, zeigt uns den Weg. Und dann braucht es den Alarm irgendwann nicht mehr. Er hat uns auf etwas hingewiesen, das wir ohne ihn gar nicht wahrgenommen hätten.
Denn das eigentlich Erschöpfende ist oft nicht die Angst selbst, sondern die Angst vor der Angst. Die Angst davor, dass der Alarm immer wieder losgehen könnte, weil wir seine Ursache nicht kennen.
So stehen wir innerlich ständig unter Strom – in permanenter Alarmbereitschaft.
Wenn ich das Signal oder den Alarm - also die Angst - erst einmal da sein lasse, um zu erkennen, warum sie da ist, dann verliert sie vielleicht an Bedeutung und wird leiser oder verschwindet.
Angst Raum geben
Und genau da – mitten in all diesen Gefühlen, im Weichwerden, im Zulassen – wird mir immer wieder bewusst, wie wohltuend Räume sind, in denen alles sein darf.
Räume, in denen wir nicht funktionieren müssen.
Räume, in denen Körper, Atem und Herz wieder miteinander sprechen dürfen.
Letzte Woche hat mir mein Frauenkreis genau so einen Raum geschenkt.
Ich habe mich so verbunden gefühlt – gehalten, gesehen, berührt. Berührt auf körperlicher Ebene, auf energetischer Ebene, auf seelischer Ebene und auf weiteren Ebenen, die ich gar nicht beschreiben kann.
Mama Kakao hat mir gezeigt, dass ich trotz meiner körperlichen Einschränkungen, trotz des holprigen Sitzens, weil der Schneidersitz gerade nicht geht, trotz des leisen, sanften Schüttelns, weil mehr heute einfach nicht drin war – immer noch da bin.
Meine Essenz.
Mein Kern.
Unverändert. Unverlierbar. Einzigartig.
Für einen Moment waren Traurigkeit und Angst in der Gemeinschaft verschwunden.
Und obwohl Traurigkeit und Angst auch nach dem Kreis wieder da waren, fühlten sie sich leichter, weicher und händelbarer an. Nicht mehr wie ein Fremdkörper, den ich dringend loswerden will, sondern wie etwas, das sich zeigen darf, weil es in Gemeinschaft gehalten wird..

