1) Kontrollierte Hypoventilation, um deine CO₂-Toleranz zu steigern 🫁 + [Video]

30.10.26

Wie entspannt bleibst du, wenn dir die Luft ausgeht?

Keine Sorge, es geht nicht darum möglichst lange die Luft anzuhalten, stattdessen schauen wir uns an, was unser Körper mit CO₂ zu tun hat, warum ein bisschen Air Hunger spannend sein kann und was das Ganze mit Sport und Resilienz zu tun haben könnte.

Was bedeutet überhaupt CO₂-Toleranz? 🌬️

CO₂, also Kohlenstoffdioxid entsteht unter anderem bei der Energiegewinnung in unseren Zellen und wird über die Lunge ausgeatmet.

Steigt der CO₂-Gehalt im Blut, registriert unser Körper das ziemlich zuverlässig. Chemorezeptoren, die in unserem Hirnstamm, der Medulla Oblongata liegen, messen den ph-Wert und den CO₂-Partialdruck im Blut und in unserem Liquor und melden Veränderungen. Sie sind also an unserer automatischen Atmung beteiligt und steuern vor allem unseren primären Atemantrieb. 

D.h. wenn unser CO₂-Spiegel im Blut ein gewisses Toleranzlevel überschreitet und unser ph-Wert dadurch niedriger, also saurer wird, dann senden unsere Chemorezeptoren das an unser Hirn und ein Atemreiz kommt. Je mehr CO₂, desto stärker der Atemreiz. 

Kannst du deine CO₂-Toleranz trainieren? 🧠

Ja!

Da wir unsere Atmung auch willkürlich steuern können, können wir trainieren, anders mit unserem Atemreiz umzugehen. Jetzt kommt der Air Hunger ins Spiel. 

Eine Möglichkeit ist die regelmäßige, kontrollierte Hypoventilation. Das bedeutet erst einmal nur, du atmest etwas weniger als gewöhnlich.

Dabei kann eine leichte bis moderate Atemwahrnehmung entstehen, die sich anfühlt wie: „Hm, ich hätte jetzt gerne einen etwas tieferen Atemzug.“ Der sogenannte Air Hunger. 

Das Ziel ist nicht, möglichst lange durchzuhalten oder deinen Körper auszutricksen. Vielmehr geht es darum, den Atemreiz achtsam wahrzunehmen und bei geeigneten Übungen nicht sofort darauf reagieren zu müssen.

Mit regelmäßigem Training kann sich deine Reaktion auf erhöhte CO₂-Werte beziehungsweise den Atemreiz verändern. 

Das bedeutet, dass deine Chemorezeptoren erst bei einem etwas höheren Level den Atemreiz an dein Gehirn senden und der Air Hunger etwas später kommt. 

Was hat das mit Sport und Resilienz zu tun? 🏃‍♀️

Jetzt wird's interessant!

1. Mehr Ausdauer beim Sport?

CO₂-Toleranztraining könnte unter bestimmten Bedingungen dazu beitragen, dass du bei körperlicher Belastung besser mit dem Atemreiz zurechtkommst. Bestimmte Atemtrainingsmethoden werden deshalb auch im Sport untersucht.

Ob sich dadurch tatsächlich deine Ausdauerleistung verbessert, hängt unter anderem von der Trainingsform, deinem Fitnesslevel und der jeweiligen Sportart ab. Eine höhere CO₂-Toleranz allein macht dich also nicht automatisch zum nächsten Marathon-Champion. 🏃‍♀️

2. Mehr Resilienz im Alltag?

Auch hier gibt es eine spannende mögliche Verbindung: Wenn du lernst, intensive Atemempfindungen wahrzunehmen, ohne sofort in eine Reaktion zu springen, kann dir das helfen, in herausfordernden Situationen etwas gelassener zu bleiben und nach Stress wieder schneller in einen gelassenen und ausgeglichenen Zustand zurückzufinden und dich weniger von unangenehmen Körperempfindungen überwältigen zu lassen. 

Side Note: Was macht eigentlich der Sauerstoff?

CO₂ hat noch einen ziemlich coolen Job: Es beeinflusst, wie bereitwillig unser Hämoglobin den Sauerstoff im Blut an das Gewebe abgibt.

Dieser Mechanismus heißt Bohr-Effekt. Davon hab ich in einem früheren Newsletter schon einmal berichtet. Vereinfacht gesagt: Steigen lokal der CO₂-Gehalt und die Säurekonzentration, kann Hämoglobin Sauerstoff leichter abgeben. Gerade in aktivem Gewebe, das mehr Sauerstoff benötigt, wie z.B. unsere Muskeln, ist das relevant.

Das bedeutet allerdings nicht, dass mehr CO₂ automatisch besser ist. Unser Körper arbeitet mit einem fein abgestimmten Zusammenspiel aus Atmung, Durchblutung, pH-Wert und Sauerstofftransport. Biologie ist eben selten ein simpler „mehr ist mehr“-Deal. 😉

Und was, wenn wir das auch auf unser Leben anwenden? ✨

Vielleicht ist das für mich einer der spannendsten Gedanken hinter der Atemarbeit:

Nicht jede intensive Empfindung bedeutet, dass wir sofort etwas verändern müssen.

Manchmal können wir innehalten, wahrnehmen und neugierig bleiben. Wir können lernen, unseren Körper besser zu verstehen, ohne jede Empfindung gleich als Problem zu behandeln.

Und vielleicht nehmen wir genau das auch mit in den Alltag: ein bisschen mehr Raum zwischen Reiz und Reaktion. Ein bisschen weniger Autopilot. Ein bisschen mehr Vertrauen in die Fähigkeit unseres Systems, sich anzupassen.

Kein magischer Resilienz-Hack. Aber eine spannende Möglichkeit, mit dir selbst in Kontakt zu kommen. 💚

Hier ist auch ein praktisches Video, wie du deine CO₂-Toleranz steigern kannst. 

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